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Portweinproduktion und ähnliche Weine
Portwein:
Portwein wird als der britische Wein schlechthin betrachtet. Der Grund dafür ist nahe liegend: Er wurde von Briten für den britischen Markt entwickelt.

Die Portwein-Region:
Die Erzeugerregion für Portwein war die erste der Welt, die 1756 durch den Marques von Pombal innerhalb klar definierter Grenzen festgelegt wurde. Sie erstreckt sich entlang des Tals de Douro (Portugal) Zuflüsse, südlich der Stadt Peso da Régua (oder kurz Régua), bis zur spanischen Grenze.
Während das Weinbaugebiet unterhalb von Régua beginnt, nahe der Mündung des Corgo in den Douro, liegt das Herz der Portwein-Produktion etwa 20 Kilometer weiter flussaufwärts. Die besten Weine werden östlich des Zusammenflusses von Pinhao und Douro in der Umgebung der Stadt Pinhao bereitet. Hier findet man auch die besten Weinüter (quintas): Quinta do Noval, Quinta do Bomfim und Quinta da Foz.

Rotweinsorten:
Es herrschen sechs Rotweinsorten vor, die für die Produktion des Portweins verwendet werden:

Tinta Roriz:
  1. Tinta Roriz - Der spanische Tempranillo mit niedrigen Erträgen, der dem Verschnitt Finesse gibt. Nach portugiesischen Verhältnissen ist er eher ein Leichtgewicht.
Touriga Nacional:
  1. Touriga Nacional - Die feinste Traube des Douro, auch wenn sie mit ihren Erträgen im Durchschnitt nur an sechster Stelle der Region steht. Sie liefert einen sehr tief gefärbten, tanninreichen Most mit einem kraftvollen Aroma.
Touriga Francesca:
  1. Touriga Francesa - Der Touriga Nacional ähnlich, aber mit höherem Ertrag und einem noch kräftigeren Bukett
Tinta Cao:
  1. Tinta Cao - Die sehr kleinen Trauben mit winzigen Beeren liefern so wenig Ertrag, dass diese Rebsorte kaum noch verwendet wurde. Dank EU-Subventionen wird sie heute wieder angebaut. Ihre Weine enthalten reichlich Tannin und Farbe, was auf das hohe Verhältnis von Schale und Fruchtfleisch zurückzuführen ist.
Tinta Barroca:
  1. Tinta Barroca - In guten Jahren liefert die Tinta-Barroca-Traube hohe Erträge mit hohem Zuckergehalt, reichlich Farbe und einer großen, kraftvollen Nase. Sie reift allerdings früh und kann dem Wein einen verbrannten Geschmack verleihen, wenn sie nicht zum richtigen Zeitpunkt gelesen wird.
Sousao:
  1. Sousao - Heute wahrscheinlich mehr in Australien und Kalifornien für die Likörweinproduktion geschätzt, als am Douro. Interessanterweise hat sie rotes Fruchtfleisch. Dies ist zwar gut für die Farbe, aber der Wein neigt dazu, rauh und recht säureschwach zu sein.
Weißweinsorten:
Für die vergleichsweise kleine Menge weißen Portweins sind sechs Sorten zugelassen, von denen drei vorherrschen:

Rabigato:
Rabigato - Liefert hohe Erträge uninteressanten Weins mit hohem Alkoholgehalt.

Codega/ Malvasia Fina:
Codega und Malvasia Fina - Dies sind die wahrscheinlich besten weißen Trauben. Sie wahren konsistent eine ausgewogene Säure.

Weinbereitung:
Bei der Lese kommt es auf die schnelle und möglichst vollständige Extrahierung von Farbe und Tannin an. Traditionell geschieht dies durch Stampfen. Die gemahlenen oder ungemahlenen Trauben werden in große Granittröge (lagares) gefüllt und dann bis zu 12 Stunden lang von Arbeitern mit den Füßen zertreten. Die ersten beiden Stunden bestehen in geordnetem Auf- und Abschreiten, darauf folgt ein zweistündiges Tanzen mit unregelmäßigen Schritten. Das Stampfen geht bis tief in die Nacht und wird oft von Musik begleitet. Während der darauf folgenden Gärung wird der Hut aus Traubenschalen immer wieder mit Paddeln heruntergedrückt oder mit Wein überpumpt. Diese Praxis wird noch auf einigen der besten Weingüter für die besten Portweine und solche Weine gepflegt, die als Vintage Ports vorgesehen sind, denn die Methode ist zwar sehr arbeitsaufwändig, aber auch sehr effektiv.

Aufspritzung:
Wenn der Most durch Gärung einen Alkoholgehalt von 6-9 Vol.-% erreicht hat, wird er abgezogen und aufgespritzt. Man gibt 77 %igen Alkohol im Verhältnis von einem Teil Alkohol auf vier Teile Wein hinzu, wodurch die Hefen abgetötet werden und die Gärung unterbrochen wird. Der Alkohol muss zwar aus Trauben destilliert sein, darf aber aus allen EU-Staaten stammen und ist meistens ein Abfallprodukt aus den französischen und italienischen Weinseen. Wann man aufspritze, hängt von der gewünschten Süße des Endprodukts ab. Die Maischung geht nach der Aufspritzung nicht weiter, da Alkohol das harte Tannin zu stark löst.

Reifung:
Im Frühjahr nach der Aufspritzung wird der Wein in die Lagerhäuser der Händler nach Vila Nova de Gaia gebracht, weil sich dort, auf der Südseite des Douro gegenüber von Oporto, das gemäßigtere Klima besser für die Reifung eignet. Nur wenig Wein wird weiter den Douro aufwärts gelagert, da es heißt, dass die Sommertemperaturen ihm dort einen eigenartig verbrannten Geschmack verleihen. In den Lagerhäusern reift er in traditionellen Fässern oder Pipes mit 550 oder 534 Litern Fassungsvermögen. Die Produktions- oder Douro Pipe fasst 550 Liter und die Transport- oder Gaia Pipe 534 Liter. Früher wurden die Weine mit speziellen booten (barcos rabelos) auf dem Fluss transportiert, aber seit der Fluss zur Stromgewinnung eingedämmt wurde, ist dies nicht mehr möglich. Die Weine werden per Tankwagen befördert.

Weinstile:
Es gibt verschiedene Weinstile, die von der Qualität und Erzeugung des Weins abhängen und davon, ob er das Produkt eines einzigen Jahres oder ein Verschnitt aus mehreren Jahrgängen ist. Die Reifung erfolgt über längere oder kürzere Zeit entweder in Holz oder in der Flasche. Mit den drei einfachen kommerziellen Portwein-Stilen beginnend, sind die Stile:

White Port:
  1. White Port - Aus weißen Trauben bereitet, hat er in der Regel eine goldene Farbe und ist entweder fast trocken oder lieblich. Das Etikett sollte darüber Auskunft geben. White Port ist jahrgangslos, in Holz gereift und für gewöhnlich zwei bist drei Jahre alt.
Ruby Port:
  1. Ruby Port - Ein jünger, jahrgangsloser, körperreicher Wein. Er ist in Holz gereift und wird meist nach drei Jahren verkauft, wobei einige hochwertigere Weine mit dem Aufdruck Reserve etwa sechs Jahre gereift sind.
Tawny Port:
  1. Tawny Port - Gibt es in verschiedenen Qualitätsstufen. Am unteren Ende ist ein Tawny ein Verschnitt aus Ruby und White Port, den man im Glas an seinem roséfarbenen Rand erkennt. Höherwertige Tawnys entwickeln sich erst nach längerer Reifung im Fass. Sie sind sehr weich und sanft sowie an einem eher rostroten Rand erkennbar. Sie bestehen aus einem Verschnitt aus mehreren Jahrgängen.
    Tawny Port mit Altersangabe - Laut Gesetz dürfen Portweine nur als 10, 20, 30 und 40 Jahre alt etikettiert werden. Um sich für ein solches Etikett zu qualifizieren, muss der Händler nachweisen, dass er einen ausreichenden Vorrat an Wein dieses Alters in seinem Lagerhaus hat, und der Wein muss im Charakter dem angegebenen Alter entsprechen. Daher ist das angegebene Alter eher ein Durchschnittswert als ein Mindestwert. Das Etikett muss das Jahr der Abfüllung nennen und darauf hinweisen, dass der Wein in Holz gereift ist. Dies sind die feinsten Tawny Ports. Die besten zählen zu den erlesensten Weinen der Region. Sie bilden kein Depot und müssen daher nicht dekantiert werden. Nach dem Öffnen halten sie sich einige wenige Wochen.
Vintage Charakter Port:
Vintage Charakter Port - Dies ist ein Verschnitt hochwertiger Weine aus einem Jahrgang oder mehreren, der vor der Abfüllung bis zu fünf Jahren in Holz reift. Er ist körperreich mit reicher Frucht und kann direkt nach der Abfüllung getrunken werden. Die Bezeichnung stirbt langsam aus.

Crusted Port:
Crusted Port - Diese britische Spezialität wurde bis vor kurzem in Portugal nicht als Stil anerkannt. Es handelt sich um einen hochwertigen Ruby Port aus mehr als einem Jahrgang, der jung abgefüllt wird und ein Depot (crusts) bildet, während er in der Flasche reift. Er muss daher dekantiert werden.

Late Bottled Vintage Port (LBV):
Late Bottled Vintage Port (LBV) - Dies ist Wein aus einem spezifischen Jahrgang, der aber kein "deklariertes Jahr" sein muss (siehe Vintage Port, unten), und der vor der Abfüllung zwischen vier und sechs Jahren im Fass reift. Der traditionelle Stil des LBV wird nach vier Jahren abgefüllt und reift in der Flasche weiter. Der Wein muss dekantiert werden. Dieser Stil wird heute kaum noch kommerziell hergestellt. Der moderne Stil reift sechs Jahre im Fass und wird trinkfertig abgefüllt. Er muss nicht dekantiert werden und ist körperreicher als sein Vorfahre. Bis vor kurzem stammten LBV-Ports niemals aus dem gleichen Jahr wie ein Vintage Port, aber heute produzieren manche Unternehmen beide Weine mit demselben Jahrgang. Das Etikett eines LBV-Port muss sowohl das Jahr der Abfüllung als auch das der Lese aufweisen. Unabhängig vom Stil halten sich LBV-Ports nach dem Öffnen einige Wochen.

Colheita Port:
Colheita Port - Dieser Jahrgangswein reift bis kurz vor dem Verkauf im Fass. Die Mindestdauer beträgt acht Jahre, in der Praxis dauert die Reifung oftmals sogar erheblich länger. Eigentlich handelt es sich um einen sehr feinen alten Tawny, der nicht dekantiert werden muss. Neben dem Jahrgang muss das Etikett auch angeben, dass der Wein im Fass gereift ist und wann er abgefüllt wurde. Dieser Stil ist in Portugal sehr beliebt.

Single Quinta Vintage Port:
Single Qinta Vintage Ports - Diese vollwertigen Vintage Ports sind das Produkt eines einzigen Weinguts (Quinta) und oftmals Prestigeweine des Erzeugers. Wie Vintage Ports werden sie nicht jedes Jahr produziert. Da die Trauben für diesen Wein normalerweise eine Hauptrolle im Vintage Port spielen, werden die Singel-Qinta-Weine in den weniger guten anderen Jahren, die nicht als Vintage-Jahre deklariert sind, hergestellt. Ihre Qualität ist dann immer noch hervorragend, denn bei den Erzeugern handelt es sich meist um die besten Weingüter der Region. Single Quinta Vintage Ports werden normalerweise so lange gelagert, bis sie relativ reif sind.

Wann passt ein Glas Portwein?
Als Aperitif bieten sich besonders White Port oder Ruby, etwas unter Zimmertemperatur genossen, an. Zum Dessert ist (Fine) Tawny besser geeignet. Eine klassische Kombination ist ein gut gereifter Vintage Port mit einem Blauschimmelkäse wie Stilton. Nüsse und getrocknete Früchte harmonieren hervorragend mit Tawnies. Portweingläser sind relativ klein und verjüngen sich nicht nach oben hin wie übliche Dessertweingläser.
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