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Wein im Winter

Dichte Rotweine, die das Herz erwärmen und die langen Abende verkürzen, die zum Meditieren anregen und zur Besinnlichkeit.
Winterwein

Nebbiolo aus Piemont

Es gibt Gegenden und Landschaften, deren wahre Schönheit sich erst im Herbst und Winter so richtig entfaltet. Zu ihnen zählt beispielsweise das Piemont. Bekannt ist die Region am Fuße der italienischen Westalpen nicht zuletzt für die weiße Albatrüffel, die hier im Spätherbst im feuchten Waldboden unter Eichenbäumen und Haselnusssträuchern wächst. Und für den Nebbiolo, eine Traubensorte, deren Namen auf den Nebel (italienisch: nebbia) verweist, der in der kalten Jahreszeit in dicken Schwaden über die Hügel und Wälder der Gegend zieht. „Der Nebbiolo wird für unsere Verhältnisse erst sehr spät geerntet“, sagt der Winzer Marco Marsili. „Eben erst so gegen Mitte Oktober, wenn die Weingärten oft schon im Nebel liegen.“ Die Landschaft und ihr Klima spiegeln sich freilich auch im Wein wider, wie etwa im berühmtesten unter ihnen – dem Barolo, der aus der kleinförmigen und dünnhäutigen Nebbiolo-Traube gepresst wird und vier Jahre im Holzfass lagern muss.„Der Nebbiolo braucht nun einmal ein wenig Kälte, um sich am besten zu entfalten und seinen stärksten Ausdruck zu erreichen“, fährt Marsili fort.


Weine für kalte Tage

Ein wunderbarer Wein für kalte Tage ist auch der Châteauneuf-du-Pape aus Südfrankreich. Das heiße und trockene Klima der Gegend sowie der Mistral-Wind, der die Trauben belüftet und trocknet, sorgen für dichte Rotweine mit geringer Säure und intensiven Würzund Honignoten. Überhaupt sind es – im Unterschied etwa zum Piemont, das für italienische Verhältnisse als eher kühle Region gilt –, häufig die wärmeren Anbaugebiete, in denen Weine erzeugt werden, die am besten zum Winter passen, darunter auch einige aus der „Neuen Welt“, wie etwa die üppigen und wuchtigen Cabernet Sauvignons aus Kalifornien oder die Shiraz aus Australien.

In vielen Fällen handelt es sich dabei um wahre Fruchtbomben, deren sonnengereifte Trauben den Gaumen mit Aromen von Waldbeeren so sehr umschmeicheln, dass man beinahe auf die Preiselbeeren zum Hirschbraten verzichten möchte.

 

"Man denkt an Spaziergänge im feuchten Wald oder im knirschenden Schnee."

 

 

Wein

Thomas Lehner

 

Der 30-jährige Burgenländer aus dem renommierten Weinort Gols ist Winzer des Monats Dezember bei METRO. Er erklärt, wie man seine Weine im Winter am besten Genießt und wieso Alkoholgehalt nicht alles ist.

Interview mit Thomas Lehner

 

  • WÜRDEN SIE PERSÖNLICH IHRE ROTWEINE ALS IDEAL FÜR DIE KALTE JAHRESZEIT BEZEICHNEN?

Nicht nur meine Roten, sondern auch meine Weißen. Die sind nämlich so ziemlich das Gegenteil von dem, was man üblicherweise als Sommerweine bezeichnet. Also alles andere als spritzige, aromaintensive und blumige Weine, sondern eher delikat, filigran und mit feinem Säurespiel.

  • UND DIE ROTEN?

Wir erzeugen dreierlei Rote: den Heideboden (ein Cuvée aus Blaufränkisch und Zweigelt), einen reinen Zweigelt und einen reinen Pinot Noir. Alle drei kommen ins Holzfass, was sie wunderbar abrundet und zu idealen Begleitern für Speisen macht, die sehr gut in die kalte Jahreszeit passen, wie z. B. zu Steaks und Braten, aber auch zu gewissen Fisch- oder Geflügelgerichten.

  • WAS UNTERSCHEIDET DIE DREI, ABGESEHEN VON DEN TRAUBEN?

Die ersten beiden sind elegante Weine, die man ruhig öfter trinken kann. Sie stammen von Trauben, die auf einer relativ jungen Rebenunterlage wachsen und haben einen etwas geringeren Alkoholgehalt. Deswegen und wegen des feinen Säurespiels wirken sie nicht aufdringlich und man kann ruhig auch ein Glas mehr davon trinken. Der Pinot hingegen stammt aus einem älteren Weingarten. Diese Traubensorte ist auch die Königsdisziplin, weil sie dem Winzer am meisten abverlangt. Man sollte diesen Wein auch einige Stunden vorher öffnen, damit er atmen kann.

  • BRAUCHT ES EINEN HOHEN ALKOHOLGEHALT, DAMIT MAN VON WINTERWEIN SPRECHEN KANN?

Keineswegs. Zuviel Alkoholgehalt überfordert mitunter den Gaumen und lässt das Essen anders schmecken.

 


Im Winter hat man Lust auf Deftigeres

Weine aus Österreich

Aber auch in Österreich werden Weine erzeugt, die wunderbar auf die Festtagstische der Advent- oder Weihnachtszeit passen, wie etwa viele dichte Blaufränkische und Zweigelts oder Cuvées aus dem Burgenland oder aus Niederösterreich, die hervorragend mit heimischen Festtagsgerichten wie dem Gänse- oder Entenbraten harmonieren.

Was man bei aller Liebe zu Rotwein im Winter allerdings nicht vergessen sollte, ist, dass es auch Barrique gelagerte Weißweine gibt sowie auf der Maische vergorene Orange-Weine, die gleichfalls wunderbar zu herzhaften Gerichten passen. Und dann sind da freilich noch Sekt und Champagner, bekanntlich gute Begleiter von Austern und Meeresfrüchten, die ja ebenfalls im Winter Saison haben.

 

 

 

"Im Winter hat man Lust auf Deftigeres wie Schmorgerichte, Eintöpfe, Ragouts, Wild und Braten."

Interview mit Daniel Mayer

  • MAN SPRICHT HÄUFIG VON SOMMERWEINEN, VIEL SELTENER VON WINTERWEINEN. GIBT ES LETZTGENANNTE ÜBERHAUPT?

Es gibt natürlich Weine, die im Winter mehr Freude bereiten als im Sommer. Und das sind dann die eher kräftigen und volleren Rotweine. Wobei ein gereifter Burgunder oder Blaufränkisch zu Wild auch eine sehr gute Figur macht. Auch kräftige Weißweine mit Reifezeit im Holzfass sind einen Versuch wert. Winterweine sind in der Regel etwas kräftiger als solche, die man im Sommer genießt. Oder aber es sind gereifte Klassiker, die zwar nicht unbedingt zu den kräftigen Rotweinen gehören, aber durch ihre Aromenvielfalt in die Jahreszeit und zu den Speisen passen.

 

  • WELCHE WEINE WÜRDEN SIE ÜBERHAUPT ALS BESONDERS GEEIGNET FÜR KÜHLERE TAGE EMPFEHLEN?

Ich würde mein Glück mit Klassikern wie etwa Burgunder, Riojas oder Chianti probieren, aber auch mit Cuvées aus Österreich oder mit Rebsortenweinen etwa aus Australien, Südafrika und anderen Ländern der Südhalbkugel. Experimentierfreudige können sich auch an große Klassiker wie Süß,- Port,- und Madeiraweine wagen. Die passen auch sehr gut zu Süßspeisen und Blauschimmelkäse.


  • SEHEN SIE EINEN ZUSAMMENHANG ZWISCHEN DER DEFTIGEREN KÜCHE DES WINTERS UND WINTERWEINEN?

Auf alle Fälle. Zu einem leichten sommerlichen Couscous-Salat benötige ich einen ganz anderen Wein als beispielsweise zu einer winterlichen Wildschweinkeule in Senfkruste.

Daniel Mayer

Der Category Manager ist bei Metro erster Ansprechpartner in Sachen Wein & Spirits. 


Rezepte